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Reisebericht Schweden 25.6. - 17.7.1999

1. Teil Kanutour Abenteuer-Net 27. Juni  bis 10. Juli 1999

Am Freitag den 25.6.99 machten wir, Markus und Sonja aus Frankfurt am Main uns auf, um eine Kanutour mit dem Abenteuer-Net auf Schwedens Seen anzutreten. Eigentlich sollten wir erst am Sonntag im Kanu-Camp Laennartfors eintreffen. Daher nutzten wir den Samstag, um uns Göteborg und einen Teil der Küste mit der Scherenlandschaft, Runensteinen und Felszeichnungen anzuschauen.- Anbei ein kleiner Tip: Fahrt nie am Samstag nach dem 24.7 nach Göteboeg oder sonstwohin, wo Ihr viele Schweden erwartet.- Nach den  Mitsommernachtsfeiern war die Stadt wie ausgestorben, so daß wir schnell weiterfuhren.

In Lennartsforts angekommen lernten wir dann auch gleich unsere Mitpaddler... kennen. So erprobten wir dann am Abend auch gleich unsere ersten Kochkünste auf dem offenen Feuer. Dies sollte auch gleich unsere erste lange schwedische Nacht   werden. Wir saßen bei immer noch leicht hellem Nachthimmel bis ca. 4,00 Uhr am Feuer, was uns fortan zur Gewohnheit werden sollte. Am nächsten Tag zeigte sich Schweden von seiner schlechten Seite und wir sahen schon alle Schlechtwetterprognosen unserer Bekannten bestätigt. Es regnete in nicht enden wollenden Strömen. Nichtsdestotrotz hielten wir wieder bis 3,00 Uhr am Lagerfeuer stand. (Ja es brannte! Trotz Regen)

Unsere Ausdauer sollte belohnt werden. Am nächsten Tag regnete es nicht mehr. Ja, ab und zu blinkte sogar ein kleiner Sonnenstrahl durch die Wolkendecke. Nun ging es endlich los! Wir ließen uns mit unseren Kanus und dem umfangreichen Gepäck nach Ed fahren, um von dort aus in Etappen den Stora Le hinauf zurück nach Lennartsforts zu paddeln. Schnell war eine passende Einstiegsstelle gefunden, die Kanus beladen und los ging's. Nach einer anstrengenden Tour kamen wir dann...

endlich am nächstgelegenen, von Rangern angelegten Lagerplatz an. Mit offener Holzhütte, einer Feuerstelle und nicht zu vergessen einem Plumpsklo. Zu unserem Erstaunen zauberte Stefan einen Lachs aus unserm Gepäck hervor, den wir natürlich gleich zubereiteten.

Am nächsten Morgen wurden wir dann reichlich unsanft geweckt. Es machten sich Schwärme von Mücken über uns her. Während der Weiterfahrt überholten uns zwei Berlinerinnen in ihrem schnittigen Faltboot. Ja, Faltboot. Ihr habt richtig gelesen. Sehr mutig, da Värmland abgesehen von ein paar Bäumen, einigen Elchen und wenigen Schweden nur aus Wasser und Granitfelsen besteht. Ach, ja, und ein paar Hechte gibt es natürlich auch noch. Einer davon hat uns dann auch zu unserem nächsten Lagerplatz begleitet (Er hatte wohl nicht mehr allzuviel davon. Wir aber um so mehr!) Oh, das war einfach genial! Habt Ihr schon mal frisch gefangenen Hecht mit Speck auf dem offenen Feuer zubereitet gegessen?

Das Päärchen aus Hamburg, mit dem wir den nächsten Lagerplatz teilten, war dann auch sehr begeistert davon, etwas von dem Fisch abzubekommen. Zumal sie schon beschlossen hatten, in diesem See gäbe es keine Fische. Zum Abschluß dieses köstlichen Essens gab es dann einen phänomenalen Abendhimmel und Popcorn. Besser als in jedem Kino! Am nächsten Morgen mußten wir diesen schönen Lagerplatz leider wieder verlassen Er war wirklich eine Ausnahme. Dort wuchs Gras und Blumen. Sogar das Dach der Hütte war begrünt. Und dort gibt es Bäume mit richtigen Blättern! Daher steht dieses Fleckchen wohl auch ganz besonders unter Schutz.

Da wir während der nächsten Etappe einen "Einkaufstrip" nach Nössemark dazwischenschoben, erreichten wir unser Ziel - die Insel Tronsholmarna - erst recht spät. Und ausgerechnet auf dieser kleinen Insel trafen sich alle, die zu dieser Zeit mit dem Kanu auf dem Stora Le unterwegs waren (13 Leute), so daß wir kaum noch einen ebenen Platz für unsere Zelte fanden. So ließen wir Sie alle erst mal einen Vorsprung gewinnen, blieben noch einen Tag auf der Insel und genossen die ersten warmen Sonnenstrahlen, Geschnetzeltes mit Sahnesoße (aus Nössemark), Bier und Tee mit Rum.Die nächste Insel hatten wir dann auch ganz für uns alleine. Leider hatten wir aber auch keine Axt, keine Säge und kein Plumpsklo, so daß wir das Holz mit großen Steinen zerkleinern mußten und... Die Verlockung eines der Kanus als Badewanne umzufunktionieren und das Wasser mit heißen Steinen zu erwärmen war doch sehr groß, da das Seewasser immer noch sehr, sehr kalt war und wir ein Bad dringend nötig hatten. Leider haben wir aus Angst, das Kanu könnte dem Innendruck nicht standhalten, diese Idee wieder verworfen. Am nächsten Tag hat uns der Regen wieder eingeholt. Aber mit der richtigen Kleidung ist das alles halb so schlimm.

Am nächsten Lagerplatz stießen wir dann auf Katja und Lin. Lin - ein leidenschaftlicher Angler - füllte gleich unsere Pfannen mit Fisch. Weil es auch am nächsten Tag immer noch regnete, blieben wir sechs erstmal auf der Insel und spielten und tranken unseren letzten Rum.

Doch dann endlich wurde das Wetter richtig sonnig. Es ging weiter zur schönsten und größten Insel im See, Bärön. Die meiste Zeit konnten wir segeln. Das funktionierte prima: drei Kanus nebeneinander zusammengebunden, eine Plastikplane als Segel aufgestellt und los ging's! :)

Bärön besteht eigentlich aus zwei Inseln mit steilen Granitwänden, welche durch einen schmalen Landsteg miteinander verbunden sind. Dazwischen liegen zwei seichte Bereiche mit Sandstränden. Dort trafen wir dann auch auf die kuriosesten Paddler dieser Reise, eine kleine Gruppe von sechs jungen Kirchenleuten. Und was vorher nie ein Problem darstellte (nämlich  Insel,  Lagerfeuer, Plumpsklo etc. zu teilen) wurde nun einem. Die Typen forderten uns doch tatsächlich auf, weiterzufahren, weil die Insel für 10 Leute zu klein sei (es passen bequem 60 Leute darauf). Zum Glück haben wir eine dicke Haut und ließen uns nicht verjagen, sondern suchten uns eine abgeschiedene Ecke für uns. Offenbar hatte der liebe Gott nichts dagegen, denn es traf uns kein Blitzschlag.

Nun kam ein neues Problem auf uns zu: Der Rum und das Bier waren alle! Ein Blick auf die Karte: Lennartsforts schien in erreichbarer Nähe, also paddelten die 4 Jungs kurzentschlossen los, um diesem Mißstand Abhilfe zu schaffen. Und kamen dann nach 4 Stunden mit einem 90,- DM teuren Starkbierkasten aus einer völlig anderen Richtung zurück. Nachdem wir uns dann der inzwischen schlafenden Kirchengruppe von unserer besten Seite gezeigt und den Kasten fast gänzlich geleert hatten, erfuhren Katja und ich auch, daß die Jungs die Rückfahrt mit dem Auto gemacht und das Kanu aufs Dach gebunden hatten. :)

Am nächsten Tag hatten wir die Insel dann ganz für uns und konnten den sonnigen , heißen Tag in vollen Zügen genießen. Wir wollten am liebsten gar nicht mehr fort. Aber da wir noch mindestens 2 Tage in einem Naturreservat wandern wollten, fuhren wir zurück nach Lennartsforts und mußten uns auch von Katja und Lin trennen.

Ein wenig wurde die Melancholie durch den prachtvollen Abendhimmel und das ruhige Wasser gemildert. An dieser Stelle muß ich dann auch mal ins Schwärmen geraten, ich hoffe, ihr nehmt es mir nicht übel. Die Natureindrücke, die Blicke über den See waren einfach wunderbar. Vor allem die Ruhe. Man hört keinen Motorenlärm, nur das Rauschen der Bäume im Wind, das Plätschern des Wassers oder aus der Ferne ein Elchröhren. Ich hatte schon lange keine solche innere Ruhe mehr, so daß es mich später kaum berührte, daß unser Glasschiebedach am Auto während unserer Abwesenheit zerbrach.

Im Glaskogen Naturreservat angekommen, schulterten wir unsere Rucksäcke und wählten einen "leichten bis mittelschweren" Wanderweg, welcher sich als handbreiter Trampelpfad erwies. Wären nicht überall farblich gekennzeichnete Bäume gewesen, hätte ich es eher für einen Wildwechsel gehalten. Aber die zerkratzten Beine wurden mit einer Übernachtung in einem der oft gesehenen, doch nie betretenen blutroten Häusern belohnt.

Neben tollen Ausblicken sahen wir von Bibern gefällte Bäume, Sonnentau, Elchspuren, aber nie einen Elch. (Die Männer hatten auf ihrer "Bierhol-Tour" einen gesehen). Und was ist Schweden schon ohne einen Elch! :)

Wir durchquerten einige Moore und kamen an einigen Seen vorbei, die bei dem warmen Wetter zum Schwimmen einluden, bei näherem Betrachten jedoch im Randbereich sehr morastig waren. Und nachdem wir dann noch Blutegel sahen, verschoben wir das Baden doch auf den Lelang bei Lennartsforts.

Mit einem letzten gemeinsamen Abendessen ging dann die schöne Zeit mit der Tour von Abenteuer-Net zu Ende. Stefan bereitete sich auf seine nächste Tour nach Lappland vor, Holger fuhr mit dem Fahrrad nach Magdeburg zurück und wir machten uns auf, noch eine Woche lang Schweden auf eigene Faust zu erkunden.    

2. Teil ( mit Elch! :) 10.07.99 - 17.07.99

Nachdem wir so viel über die schöne Landschaft Lapplands gehört hatten, war unser Ziel zunächst der hohe Norden. Weil wir aber nach 2 Tagen erst die Hälfte des Weges geschafft hatten und das Wetter so schlecht wie unsere Stimmung wurde, beschlossen wir bei Östersund, in die norwegischen Berge zu fahren. Nach einer einsamen, kalten Nacht an einem Bergsee (Ich habe noch nie so gutes Wasser getrunken) änderten wir unser Meinung und fuhren an die Ostseeküste. Dies stellte sich dann auch als sehr positiv heraus, da wir auf der Insel Alnö bei Sundsvall Sonnenschein und einen tollen Sandstrand fanden. Wir zelteten an einem Yachthafen, entgegen unseren Erwartungen war der Hafenwirt sehr nett und freute sich, "unversnobte" Gäste zu haben, die nicht im 8-Meter-Caravan anrollten.

Da wir noch einen zweiten Tag am Strand genießen wollten, fuhren wir erst abends weiter nach Alt-Uppsala. Dort fanden wir dann auch schnell die drei königlichen Hügelgräber und die Kirche, an deren Stelle einst ein bedeutendes Wikingerheiligtum stand. In die Universitätsstadt Uppsala warfen wir dann auch noch einen Blick, zogen dann aber weiter nach Stockholm.

Dort bekamen wir glücklicherweise eine Kajüte auf dem ehemaligen Segelschulschiff und heutigen Jugendherberge "Of Chapman". Diese Jugendherberge liegt optimal in der Stadtmitte. Vom Deck aus hat man Blick auf das Schloß mit dem Parlament und die Altstadt.

Wir machten uns gleich auf, das Wasa-Museum zu besichtigen. (Nein, kein Knäckebrot-Museum, die Wasa ist ein 1628 bei ihrer Jungfernfahrt gesunkenes Segelschiff). Und nicht nur vom Museum, sondern auch von der Stadt waren wir beide begeistert. Die Gebäude sind so imposant wie in Paris, es wirkt alles sehr offen und großzügig durch die großen Wasserflächen, die Stadt ist auffällig sauber und überall stehen Kunstwerke auf den Straßen. Auch die Goldkammer im Historischen Museum ist zu empfehlen. Die Goldschätze der Wikinger werden dort eindrucksvoll präsentiert.

Nachdem wir uns 2 Tage und Nächte in Stockholm aufgehalten hatten, machten wir uns auf in Richtung Süden. Unser Ziel war nun die Südhälfte der großen Ostseeinsel Öland. Dort gab es viel zu sehen. Geprägt ist dieser Teil der Insel durch einen fast steppenartigen Bewuchs, die Stora Alvaret. Am Wegesrand findet man Runensteine und Gräberfelder mit Steinsetzungen in Schiffsform. Sehenswert ist auch das wiederaufgebaute befestigte Dorf Eketorp.

Tja, aber auch der schönste Urlaub geht einmal vorüber, und so machten wir uns allmählich auf dem Heimweg. Dabei sahen wir uns noch Kopenhagen an, beschränkten uns jedoch auf die üblichen Touristenziele in der Innenstadt. Wenige Stunden später waren wir dann schon wieder daheim und waren uns sicher, das dies nicht der letzte Aufenthalt in Schweden war! :)

Mit freundlicher Genehmigung von Sonja Doormann. Weitere Informationen gibt es via Email: markusdo@ipfb.net Alle Rechte vorbehalten.